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Langhaar und Kurzhaar

Heim und Schumacher sind davon überzeugt, dass die Mönche ihre Hunde mit Neufundländern gekreuzt haben, weil den Neufundländer der Nimbus eines Menschenretters umgab. Heim gibt als Datum dieser Einkreuzung das Jahr 1830 an, Schumacher sagt nur, Barry sei «der Repräsentant der alten St. Bernhardshunde- Rasse vor der Einkreuzung mit Neufundländerhunden» gewesen, merkwürdig ist dann aber, dass er wiederum sagt, die Kreuzungstiere, die vom Kloster ins Unterland verschenkt worden waren, seien alle rot mit weissen Abzeichen und schwarz verbrämtem Kopf gewesen, «mit enormen Köpfen und bisher nicht mehr erreichter Grösse und starkem Körperbau». Diese Beschreibung würde eher gegen eine Neufundländereinkreuzung sprechen, auch wenn man annehmen muss, dass es nicht schwarze Neufundländer waren, sondern die damals noch weit häufigeren schwarz-weissen Landseer, die allenfalls hätten eingekreuzt werden können. Dass Neufundländer auf dem Hospiz waren, geht auf einen Brief von Prior Deleglise an Fr. v.Tschudi hervor, in dem er schreibt: «Die beiden Neufundländer, die wir letzten Winter von Stuttgart erhielten, sind sehr schön herangewachsen, besonders das männliche Exemplar, das seinen Dienst im Gebirge bereits sehr gut begonnen hat.»

Der Herkunftsort der beiden «Neufundländer» erweckt den Verdacht, dass es sich dabei um weiss-rot gefleckte «Leonberger» aus der Zucht Essigs gehandelt haben könnte, zumal ein echter Neufundländer mit seinem Langhaar zum Gebirgsdienst völlig ungeeignet war.

Dr. E. Schmid schreibt in seinem Bericht zum 75jährigen Bestehen des Klubs von einer 1856 erfolgten Kreuzung mit Neufundländern. Davon weiss aber Schumacher offensichtlich nichts. Man muss also auch hier ein Fragezeichen setzen.

Die Sache mit der Neufundländereinkreu- zung bleibt jedenfalls unklar, die Hospiz-Chronik belegt sie offenbar nirgends ausdrücklich, dagegen ist Siegmund Glauben zu schenken, wenn er sagt, es hätte in den Würfen der Hos pizhunde immer ab und zu langhaarige Welpen gegeben, weil ab und zu langhaarige Walliser Hirtenhunde eingekreuzt worden seien. Diese uns völlig unbekannte Rasse setzt Siegmund am Ende des letzten Jahrhunderts mit grösster Sicherheit als allgemein bekannt voraus, sie deckt sich mit Studers Bericht vom «weitverbreiteten, langhaarigen Alpenhund» in den WaIliser Tälern.

Die langhaarigen Hunde bewährten sich im Gebirgsdienst nicht, sie wurden deshalb vom Hospiz an Gönner im Unterland verschenkt. Solche Gönner waren:

  • der Graf von Rougemont in Löwenberg bei Murten
  • der Graf von Pourtale's in der Mettlen bei Bern
  • der Graf von Rougemont und Pourtales au Bussy bei Valangin
  • Oberst Risold in Bern
  • die Herren Cornaz in Pfauen bei Murten
  • die Grossfürstin Anna Feodorovna in der Elfenau bei Bern.

Unter den Nachkommen dieser Hunde gab es offensichtlich wieder stockhaarige. Interessant ist die Bemerkung von Schumacher, unter den Nachkommen der Hunde der Herren Cornaz habe es solche mit kurzen Ruten gegeben. «Von diesen Hunden stammt die sogenannte Utzenstorf-Rasse, welche noch gegenwärtig im bernischen Oberaargau auf grossen Bauernhöfen gehalten werden und sich noch jetzt durch Grösse und Schönheit auszeichnen, obschon ausgeartet», sagt Schumacher in seinem Brief an die SKG.

Bald einmal zog man im Unterland die dekorativen, langhaarigen Hunde den stockhaarigen vor. So kam schliess lich die Meinung auf, der St.Bernhardshund sei immer langhaarig gewesen, nur der minderwertige «St. Gotthardhund» sei kurzhaarig!

So hat zum Beispiel der Graf v. Rougemont einen stockhaarig gefallenen Hund aus seiner Zucht als minderwertig an einen Herrn Klopfenstein in Neuenegg wegge- geben, wo ihn dann Schumacher im Jahre 1855 erwarb und als Barry 1 viel zur Zucht gebrauchte.

Die Frage Lang-/Kurzhaar bewegt die Gemüter bis auf den heutigen Tag. Der Erbgang ist nicht geklärt. Fest steht, dass es von zwei langhaarigen Eltern kurzhaarige Welpen geben kann, und umgekehrt fallen in den Würfen kurzhaariger Eltern mitunter langhaarige Welpen. Es gibt auch immer wieder Zwischenstufen, also zum Beispiel Hunde, die am Körper annähernd stockhaarig sind, dazu aber Fransen an den Ohren und eine mehr oder weniger ausgeprägte Fahne an der Rute haben. Diese Zwischenstufen deuten auf ein polyfaktoriell vererbtes Merkmal hin. Züchterisch problematisch wurde die Sache, als die FC l (Fédération cynologique internationale) beiden Haarvarietäten eine gesonderte Anwartschaft auf den internationalen Schönheits-Champion (CACIB) zuerkannte und damit logischerweise Kreuzungen zwischen den beiden verbot.

 

Nun hat die FCI eine Liste der kreuzbaren Rassen und Rassenvarietäten aufgestellt, und darauf sind die beiden Bernhardiner-Varietäten als kreuzbar aufgeführt. Die Vergebung des Internationalen Schönheits-Champions kann also nicht mehr davon abhängig gemacht werden, dass die Ahnen des Hundes über mindestens drei Generationen der gleichen Varietät angehören müssen. Diese Regelung ist sicher vernünftig; weil aber, wie bereits erwähnt, bei Kreuzungen immer wieder Zwischenstufen entstehen, sollten die Züchter doch überlegt und nicht ohne zwingende Gründe solche Kreuzungen vornehmen.

 

 

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Letzte Aktualisierung: 03-01-2012